Renardo Schlegelmilch „If you believe“ – Musik und Religion

Religiöse Bezüge in der Popmusik? Gibt es zuhauf. Einen gelungenen Streifzug durch die Musikgeschichte wagt Renardo Schlegelmilch in seinem Buch „If you believe“.

Eine Rezension von Tobias Rauser
Renardo Schlegemilch „If you believe“ – Verlag Echter

Spiritualität und Pop. Mal launisch, mal mit bitterem Ernst. Mal versteckt, mal offen. Zahlreiche Pop- und Rocksongs wimmeln vor Anspielungen auf Religion, stellen Fragen zu Glauben und Zweifel und bringen dem Hörer neben dem Hörvergnügen auch spirituelle Anregung durch anregende Texte. Ein spannendes Thema also, das sich Renardo Schlegelmilch in seinem Buch „If you believe“ – „Religion in Rock- und Popmusik“ aus dem Echter-Verlag vorgenommen hat, das vor einigen Monaten erschienen ist.

Die kurzen Kapitel sind immer ähnlich aufgebaut: ein Thema, ein bekannter Song, ab und an noch ergänzt um Lieder mit vergleichbarem Themenspektrum. Die Fakten zu Titel und Künstlersowie die geschichtliche Einordnung zeugen von hoher Kenntnis und tiefer Recherche. Der Leser erfährt in jedem Kapitel Neues, das ihm hilft, Stück und Text zu verstehen und zu deuten. Häufig wird man dabei überrascht, welche Zeilen man da seit Jahrzehnten so mitsummt und die man eigentlich zu verstehen glaubte.

Schlegelmilch, der hauptberuflich Moderator des katholischen Domradios in Köln ist, berichtet in der „Ich-Perspektive“ über seine Begegnungen und seine Erfahrungen mit dem jeweils besprochenen Song. Das irritiert zu Beginn, da es den Lexikon-ähnlichen Aufbau stört. Dennoch sind die Geschichten spannend, in keinem der Kapitel ausufernd und dabei immer vielseitig. Die persönlichen Anekdoten erlauben dem Leser auch dann einen Zugang zum Stück, wenn er den gerade besprochenen Titel persönlich nicht kennt. Die katholische Herkunft des Autors ist natürlich erkennbar, aber ohne belehrenden Unterton und vom Geist der Toleranz für andere Meinungen und Einstellungen getragen.

Zu den spannendsten Kapiteln von „If you believe“ gehören die Abschnitte über die Beatles und ihr Verhältnis zur Religion. Imagine, Let it be, My sweet lord – nur einige der Beatles-Songs, die heute im religiösen Umfeld eine wichtige Rolle spielen. Schlegelmilch analysiert die Lebensläufe, konfrontiert den Lesern mit aussagekräftigen Zitaten und versucht, einen roten Deutungs-Faden in das Werk der vier Briten zu bringen.

Ein Klassiker, der in einem solchen Buch natürlich nicht fehlen darf, ist Madonna mit „Like a prayer“. Was ein Skandal! Sogar Papst Johannes Paul II. rief persönlich zu einem Boykott der Single auf. Im Artikel erfährt der Leser kurz und knapp die wichtigsten Fakten über die zahlreichen Provokationen der Künstlerin und ihren persönlichen Bezug zur Religion.

Eines der bekanntesten religiösen Pop-Stücke ist „Hallelujah“ von Leonard Cohen. Es wimmelt von biblischen Bildern. Der Text und die verletzliche und sanfte Darbietung fasziniert viele Christen rund um den Globus.

Das Buch ist in seinen theologischen Erklärungen über Hölle, Sünde und andere Begrifflichkeiten des religiösen Sprachuniversums präzise, kurz und gut verständlich. Auch der in religiösen Verfahrensweisen unerfahrene (und auch nur am Rande interessierte) Leser kommt mit – und wird nicht durch komplexe und abschweifende Abhandlungen gelangweilt. Die Präzision und Klarheit ist dabei eine Stärke des gesamten Buches. Es liest sich schnell, leicht und ist durch die zahlreichen lesefreundlichen Kapitel auch für eine kurze Lektüre geeignet.

Die Liste der Songs und Themen ist lang, nur ein paar seien hier genannt: „Highway to Hell“, „Morning has broken“, „God is a DJ“, „Demons“, „Angels“, „Personal Jesus“, „It´s a sin“, „Knockin on Heaven´s Door“, „Jesus he knows me“,  „Sympathy for the devil“ oder „The pope smokes dope“. Etwas schade ist, dass man vorne im Inhaltsverzeichnis keine Titel findet. Ein Hineinlesen in einzelne Kapitel nach Musikpräferenz (oder die Vorbereitung einer begleitenden Playlist) ist so nur beim Durchblättern des Buches oder des Liedverzeichnisses am Schluss des Buches möglich.

Nach dem Ende der kurzweiligen Lektüre bleiben drei Dinge: ein Wissenszuwachs über viele Songs und Künstler, der Entschluss, in Zukunft etwas genauer bei vielen Texten hinzuhören – und natürlich die unbändige Lust, einigen der besprochenen Klassiker zu lauschen. Lesen und hören!

Renardo Schlegelmilch
If you believe…
Religion in Rock- und Popmusik
gebunden, 176 Seiten
Verlag Echter
ISBN: 978-3429043728
14,90 Euro

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