Wut, Verzweiflung, Gottvertrauen: Bonhoeffer – Graphic Novel von Moritz Stetter

Ein bewegtes Leben in bewegenden Bildern – das Graphic Novel „Bonhoeffer“ von Moritz Stetter zeigt die wichtigsten Schlaglichter aus dem Leben des bekannten Theologen Dietrich Bonhoeffer. 

Eine Rezension von Tobias Rauser
Bonhoeffer von Moritz Stetter

Wer war Bonhoeffer? Was ist die bekennende Kirche? Wie kam er in Verbindung mit dem Widerstand gegen das Nazi-Regime? Diese Fragen und noch einige mehr kann der Betrachter und Leser des Comics nach der Lektüre beantworten. Und der Comic wirft noch weitere Fragen auf, doch dazu später mehr.

Die grafische Novelle beginnt mit dem Gang zur Exekution. Was folgt, sind Einschübe aus der Jugend und die wichtigsten Stationen des Lebens von Dietrich Bonhoeffer. Mal in Gedanken und Träumen, mal erzählt im Verhör. Der Leser erfährt von der Kritik seines Vaters an seinem Berufswunsch Theologe („Das hat doch keine Zukunft, Dietrich!“) und lernt, dass Bonhoeffer den Glauben nicht als Opium sieht, sondern als Auftrag für den Kampf für eine gerechtere Welt („Trachtet nach dem, was auf Erden ist“).

Hitler wird Reichskanzler, das Land verändert sich. In diese Zeit fällt seine berühmte Radioansprache, die nach seiner klaren Kritik am Führerkult abgebrochen wird. Der Reichstag lodert, Bücher werden verbrannt und die evangelische Kirche diskutiert über den Umgang mit dem Regime. Die „Deutschen Christen“ gewinnen die Oberhand – und Bonhoeffer fühlt sich fremd in seiner eigenen Kirche.

„Die Kirche war stumm, wo sie hätte schreien müssen.“

Nach einem London-Exkurs schließt er sich der bekennenden Kirche an und kämpft fortan gegen das Nazi-Regime. Mit Wut, Verzweiflung und jeder Menge Gottvertrauen. Das Ende kennt jeder: Bonhoeffer wird am 9. April im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. Sein bekanntester Text beschließt das Buch, das einen beeindruckt, fragend und bedrückt zurück lässt.

„Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag“

Die Bilder des Comics sind mal klein, mal seitenfüllend über die Doppelseite. Auch der Zeichenstil wechselt, oft reduziert und eindimensional, aber auch detailliert und mehrschichtig. Auf Hintergrund und Umgebung seiner Charaktere legt Stetter besonderen Wert: jede Seite ist mit vielschichtigen Bildern hinterlegt, oft symbolhaft und immer neugierig machend. Die Dramatik und Stärke der Bilder führt nicht selten dazu, dass man kurz inne hält und die Bilder (wie ein gemaltes Porträt) wirken lässt. Es ist kein „einfacher“ Comic, der sich schnell überfliegen lässt. Texte, Aufbau und Bilder sind komplex und erfordern mehr als einen schnellen Konsum durch den Betrachter und Leser. Das Buch wirkt insgesamt recht düster und teilweise deprimiert – alle Comics sind zudem in schwarz-weiß gehalten.

Hilfreich ist vor allem die kurze Seite mit einem Lebenslauf zur Einführung, aber einen ausreichenden und abschließenden Überblick über die Details der Biographie hat man nach Lektüre noch nicht – was natürlich dem Format geschuldet ist. So bietet der Bildroman einen gelungenen und emotionalen Einstieg in das Leben des Theologen – und macht Lust auf mehr. Viele Fragen stellen sich, die nur ein ausführlicheres Werk oder eine Textbiographie beantworten können. Das Graphic Novel erfüllt dennoch voll und ganz seinen Zweck: es ist ein gelungener und emotionaler Einstieg für Bonhoeffer-Neulinge und weckt Lust, mehr über Hintergründe und Details zu erfahren.

 

Bonhoeffer, Graphic Novel
Moritz Stetter
Gütersloher Verlagshaus
112 Seiten
14,99 Euro
ISBN 978-3579070506
Bei Youtube können Sie sehen, wie Moritz Stetter eine Schlüsselszene des Comics entstehen lässt. Klicken Sie hier!