„Bonhoeffer – Wege zur Freiheit“ von Alois Prinz

„Bonhoeffer – Wege zur Freiheit“ von Alois Prinz: Wer wissen will, was Nachfolge Christi heißt, der sollte dieses Buch lesen. Es geht in diesem um mehr, als um eine Geschichte über einen der bekanntesten Theologen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

Eine Rezension von Michael Cordes
„Bonhoeffer: Wege zur Freiheit“ von Alois Prinz

Dietrich Bonhoeffer ist einer der bekanntesten Theologen Deutschlands, und zwar über die Konfessionsgrenzen hinaus und selbst bei vielen Menschen, die keiner Kirche (mehr) angehören. Das hat auch viel zu tun mit dem Lied „Von guten Mächten treu und still umgeben“. Der Text des Liedes, das häufig auf Beerdigungen gespielt wird, stammt von Bonhoeffer.

Mittlerweile wissen viele Menschen zumindest in etwa, unter welchen Umständen Bonhoeffer diese Zeilen geschrieben hat:  im Gefängnis der Gestapo und SS in der Prinz-Albrecht-Straße in Berlin. Wenige Tage vor Weihnachten 1944, in einem Brief an seine Verlobte Maria von Wedemeyer; zwar noch nicht zum Tode verurteilt, aber im Bewusstsein, dass ihm ein solches Ende drohen könnte.

Natürlich zitiert Alois Prinz in seiner Biographie über Bonhoeffer dieses Gedicht, das Bonhoeffer neben seiner Verlobten auch seinen Eltern und seiner Familie gewidmet hat. Aber: In dem 270-Seiten umfassenden Buch macht dieses Gedicht nicht mal zwei Seiten aus.

Damit wird auch deutlich, worum es in dem Buch nicht geht: um das bekannteste Werk Bonhoeffers. Denn sein Leben beinhaltet viel mehr als nur diese zu Recht sehr beliebten Verse. Es geht in der Biografie um die Suche nach der Wahrheit, die Bonhoeffers Leben bestimmt. Und nicht zuletzt handelt es davon, was das Christ-Sein ausmacht und welche Verantwortung damit verbunden ist­ – gerade in so schwierigen Zeiten wie dem Nationalsozialismus.

Was bedeutet es, Christ zu sein? Bonhoeffer hat diese zentrale Frage für sich klar beantwortet und dafür mit dem Tod gebüßt

Die Biografie verdeutlicht, was es bedeutet, Christ zu sein, oder genauer, was es für Bonhoeffer bedeutet hat. Auch das macht das Buch so lesenswert. Denn Bonhoeffer hat für sich klar entschieden: Man kann das politische, das weltliche Leben nicht getrennt führen von seinem religiösen Leben. Das sind ja auch heute noch aktuelle und ungeklärte Fragen, die sich zum einen die Kirche stellen muss: Muss sie sich einmischen in die aktuelle Politik, zum Beispiel in die Flüchtlingsdebatte, und wenn ja, in welchem Ausmaß? Was bedeutet in diesem Zusammenhang das Gebot der Nächstenliebe, das „wichtigste Gebot“ wie es Jesus formuliert hat, neben dem Gebot der Gottesliebe?

Die gleichen Fragen muss sich aber natürlich auch jede/r Christ/in stellen, wie er/sie es mit der Nachfolge Christi hält und welche Verantwortung daraus erwächst. Bonhoeffer hat diese Frage in seinem Leben immer wieder gestellt und immer wieder beantwortet, mehrfach und eindrucksvoll, nicht nur, als er sich dem Widerstand gegen das Nazi-Regime angeschlossen hat. Sicher, anders, als die Männer und Frauen des Attentats vom 20. Juli. Aber in vollem Bewusstsein, dass mit dem, was er tut, sein Leben nicht minder bedroht ist.

Bonhoeffer war ohne Frage ein besonderer Mensch. Nicht nur, weil er dem Widerstand angehörte. Auch die Art, wie er mit seiner Gefangenschaft umgeht, wie er mit Ruhe und Gelassenheit sein Schicksal hinnahm, beeindruckte Mitgefangene und Wärter gleichermaßen. Er ruhte offenbar in Gott.

Bonhoeffer wurde am 9. April im KZ Flossenbürg erhängt. 14 Tage später befreiten amerikanische Truppen das KZ.

Der Biograph schreibt über Bonhoeffer, dass dieser sich einer sentimentalen Verklärung seiner Person bestimmt widersetzt hätte. „Und er wäre vermutlich auch nicht damit einverstanden gewesen, ihn als Vorbild zu nehmen“, schreibt Prinz weiter.

Damit mag der Autor Recht haben. Aber Bonhoeffer hat bleibenden Eindruck hinterlassen. Das lässt sich daran ablesen, dass ihm zu Ehren am 27. Juli 1945 ein Gottesdienst in London, wo er 1933 als Pfarrer wirkte, stattfand. Ausgerechnet in England, wo man die Deutschen hasste. Die Kirche war nicht nur bis auf den letzten Platz gefüllt. Die BBC übertrug den Gottesdienst sogar live im Radio, so dass man auch in Deutschland und damit seine Eltern Paula und Karl Bonhoeffer den Gottesdienst verfolgen konnten.

Wer dieses Buch liest, kommt nicht umhin, sich selbst Fragen zu stellen, sich in Frage zu stellen. Was kann man mehr von einem Buch erwarten. Dieses Hinterfragen gilt im Übrigen unabhängig davon, ob man Christ ist oder nicht. Und es gilt auch unabhängig vom Alter, weshalb man dieses Buch auch jungen Menschen sehr ans Herz legen kann.

Im einem Interview mit dem Sender 3sat spricht Prinz über sein Buch.

„Bonhoeffer – Wege zur Freiheit“
Alois Prinz
272
Seiten, 16,99 Euro
Thienemann-Esslinger Verlag
ISBN 978-3-522-30455-9